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blog/Reden/NieWiederRosaListen.md
Diese Rede wurde am 11. September 2025 auf der Kundgebung "Nie wieder Rosa Listen, Dobrindts Pläne stoppen" in Dessau- Rosslau, Friedensglocke von mir, Riley gehalten.
Reden für die Demo
Eröffnung, Einleitung
Alerta, Genoss*innen, Zuhörende und Aktive, hiermit eröffne ich die Versammlung und begrüße euch alle. Kurz zur Versammlung an sich: Das Versammlungsgesetz verbietet:
- jeglichen Drogengenuss außer Zucker, Kaffee und Nikotin
- Vermummen
- Waffen bei sich führen.
- Unsere Kundgebung stören Genug Versammlungsrecht für heute.
Wir haben Ordner*innen hier. Diese lieben Menschen tragen ne weiße Armbinde. Die Awarenessmenschen helfen euch auch gern. Sie sind für euch jederzeit da. Die Ordner*innen helfen natürlich auch gern.
Kurze Anmerkung ans Ordnungsamt: Bitte das nächste Mal die Anmelderin und Versammlungsleiterin nicht misgendern. Bei meiner Stellvertreterin bekommen Sie es ja auch hin. Warum nicht bei mir?
Wir stehen hier, um gegen neue Listen zu demonstrieren. Dobrindts Innenenministerium plant, Trans* - Menschen, Intergeschlechtliche Menschen und Nicht Binäre Menschen wieder zu erfassen! Im Einwohnermeldeamt sollen 2 weitere Einträge hinzugefügt werden. Begründet wird dies mit Nachverfolgbarkeit. Die Änderungen sind bereits jetzt nachverfolgbar. Für jede*n einzeln. Als wäre das nicht genug, so ermöglicht die Software auch Suchfilter. Wenn diese eingestellt sind, bekommt der*die Sachbearbeiter*in nur noch Menschen mit geänderten Daten zu sehen. Eine neue Rosa Liste, diesmal für Menschen, die irgendwann mal den Geschlechtseintrag geändert haben. So haben es Faschos noch leichter, Menschen zu verfolgen, wie es im 3. Reich bereits passierte. Dazu wird Sylvi eine geschichtliche Einordnung geben.
Riley: Derzeitige Situation für Transmenschen und Nichtbinäre in Deutschland
Enthält eigene Erfahrungen.
Triggerwarnung: Transfeindlichkeit, NB - Feindlichkeit
Ich bin Riley, nicht binäre Trans*frau. Ich möchte meine Erfahrungen mit euch teilen.
Warum überhaupt? Das fragen sich viele. In einem Satz: Ich möchte genau so wie alle anderen akzeptiert werden.
Aber ein Satz reicht leider nicht, um die vielschichtigen Probleme aufzuzeigen.
Angefangen von dem ständigen Misgendern, also das Verwenden falscher Geschlechtsbezeichnungen. Über Deadnaming (Verwenden des alten, toten Namens), böse Blicke und Angriffe. Das alles ist für mich Alltag. Das geht massiv an die Substanz.
Eine Situation aus meinem Leben, bei einer Behörde. Hätte aber auch ein Bewerbungsgespräch oder ein Arztbesuch sein können: Als ich mich vorstellte und meinen Namen und Pronomen mitteilte war die erste Frage, ob das geänderte Daten sind. Ich verwies auf das SBGG und wollte keine weiteren Angaben machen. Trotzdem wurde ich gefragt, welchen Namen ich früher hatte. Ich fragte mich gedanklich, aber auch mein Gegenüber, wozu die Angabe bitteschön benötigt wird. Ein Grund fehlte.
Eine weitere Situation, bei meinen Pflegeeltern zuhause am Küchentisch als sie wieder von "den guten alten Zeiten" sprachen: Sie wollten von mir sprechen. Aber das gelang ihnen nicht. Sie verwendeten einen falschen Vornamen und die falschen Pronomen. Als ich sie drauf hinwies, sagten sie nur: Damals warst du noch [Deadname]. Das ich das noch nie war, verstehen sie nicht. Ebenso rufen sie auch ständig nach jemanden, den ich nicht kenne. Das keiner reagiert, interessiert sie nicht.
Vor ein paar Tagen wollte ich mich bei einer großen Supermarktkette registieren. Ich kam nicht weiter! Das Registrierungsformular kennt nur Herr und Frau! Ein Ändern der Angaben ist häufig nicht oder schwer möglich. Ebenso die konstante Nichterwähnung in Studien ist äußerst problematisch. Mobilfunkanbieter, Behörden und Banken sind hier auch zu nennen!
Sehr übergriffig ist jedoch das Gesundheitssystem. Um das ständige Leiden zu verringern sind oftmals medizinische Schritte notwendig. Jedoch um Zugang zu diesen lebensnotwendigen Maßnahmen zu bekommen, muss der Mensch sich unnötigen Zwangstherapien und Fremdbegutachtungen unterziehen. Dies blockiert unnötig knappe Therapieplätze. Teilweise werden Behandlungen verweigert, nur weil die Person dadurch keine Kinder bekommen kann. Oder wir sind "nicht trans genug..." Nicht binäre Personen müssen häufig dem Gesundheitssystem ihre wahre Identität verschweigen, nur um überhaupt behandelt zu werden. Gerichte urteilen, es bestehe ja kein Anspruch auf Behandlung... Die AFD hetzt konstant gegen uns.
So wie mir ergeht es vielen Trans* Menschen und auch Nichtbinären. Darum ist der Schutz von uns so wichtig! Es darf keine systematische Erfassung geben! Keine neuen Rosa Listen!
Wichtig: Bitte vor Verwendung des Erfahrungsberichtes um Erlaubnis fragen, da dieser sehr persönliche Erfahrungen enthält
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